Köster Schiffe zu restaurieren ist ein heikles Thema, als Grundsatz hierzu: Wer sich erstmalig mit dem Pinsel, Farbe und detailliertem Arbeiten auseinandersetzt, sollte die Finger davon lassen. Auch Edmund Köster war hinsichtlich dieser Thematik nicht als Meister vom Himmel gefallen. Vergleicht man ein identisches Modell aus einer früheren Epoche, mit späten Modellen so ist auch hier eine deutliche qualitative Steigerung erkennbar. Es ist davon auszugehen, dass Köster mit zunehmender Dauer des Bestehens seiner Firma entsprechende SpezialistInnen um sich geschart hat, deren tägliches Handwerk es war gezielt Miniaturbeschriftungen aufzubringen, Masten zu löten oder Takelagen zu knüpfen...
Und da kommen wir, 80 - 100 Jahre später, mit unseren ungelenken Fingern ins Spiel, die Ergebnisse sprechen dann mei-stens für sich.
Wer sich also überlegt Hand anzulegen an diese Pretiosen, sollte genau wissen was er tut. Es gibt Fehler, Ungeschicklich-
keiten, die sind irreversibel und das in dann in mehrfacher Hinsicht ärgerlich. Ein Sammler wird eher mit einem defekten Orginalzustand leben können als mit einem dilitantisch nachempfundenen Ersatz.
Farbe
Ein Modell welchem man seine Lebenszeit und damit seine Geschichte nicht ansieht "lebt" nicht mehr. Bei den Modellen handelt es sich um Spielzeuge, die Kinderhände, Krieg Schmutz und Staub überstanden haben.
Daher kommt nur da Farbe zum Einsatz wenn sie dazu dienen soll, kleinere Fehlstellen auszubessern wenn dies unvermeindlich erscheint. Flächige Übermalungen mit der Intention einer optischen Aufwertung machen ein Modell wertlos. Die Farbe ist für jeden Sammler ein entscheidender Indikator bei der Beurteilung des Erhaltungszustandes und der Echtheit des Modells.
Teilweise haben die damaligen Besitzer ihre Modelle mit "Verschönerungen" und Personalisierungen versehen, diese sind m.E. als Begleiterscheinungen eines Models zu betrachten, die dieses aufwerten oder aber im ungünstigsten Fall auch vernichten können.
Masten
Ein Modell mit intakten Masten ist ein Glücksfund. Meist sind diese verbogen, es fehlen Teile oder Farbe. Fehlen Masten komplett ist dies ein willkommenes Betätigungsfeld für den Modellbauer. Hier kann ich so lange üben, bis mir die Nach-bildung gelungen ist und diese dann in das Modell intergrieren. Fehlen einzelne Teile wird es schon diffizieler, um Teile ergänzen zu können muss ich Wärme zum Einsatz bringen die eine bestehende Lackierung unwiederbringlich verloren gehen lässt. Auch verbogene Teile wieder zu richten beinhaltet die Gefahr, dass Lackierung abplatzt, auch hier ist Vorsicht und überlegtes Handeln erforderlich.
Takelage
Köster verwandte eben nicht Omas Garn aus dem Nähkästchen weil dieses im Maßstab zu dick war. Die von Köster verwan-dten Garne waren sichtbar dünner und die Takelage war nicht mal eben so an's Schiff "getüdelt" sondern folgte einem sinnfälligen Plan der soweit möglich, zum Ziel hatte möglichst wenig Stückelungen vorzunehmen und doppelte Wege zu vermeiden.
Daher sind nachträgliche angebrachte Takelagen meist schnell entlarvt. Ziel sollte es sein vorhandene Takelagen zu erhalten statt diese zu ersetzen.
Fehlteile
Hier eröffnet sich ein vielfältiges Betätigungsfeld für den restaurierenden Modellbauer. Hier besteht die Kunst darin die entsprechenden Bemaßungen und Aussehen der Fehlteile zu rekonstruieren. Werden diese dann verbaut, sollte nur so viel Leim zu Einsatz kommen, um diese Ergänzungen später auch problemlos wieder entfernen zu können. Gerne mache ich mir den Spaß Sammlerfreunde meine Restaurationen entdecken zu lassen. Grundsätzlich sollte das unrestaurierte Orginalmo-dell fotografisch dokumentiert werden. Ein Modell zu verkaufen, zu tauschen ohne Hinweis auf selbst vorgenomme Verän-derungen ist in meinen Augen unredlich.
mit ergänztem Fehlteil (Brücke)
vorher
nachher, restauriert 2/2025